Quelle: Yvonne Gottschlich
Krombacher Kreispokal-Finale im FLVW-Kreis Herford: Für Schiedsrichter Patrick Jeroch eine Partie, die er aus vielen Gründen so schnell nicht vergessen wird.
Für Patrick Jeroch war es ein besonderer Höhepunkt seiner noch vergleichsweise jungen Schiedsrichter-Laufbahn: Der 43-Jährige leitete am Mittwochabend (13. Mai) das Krombacher Kreispokalfinale des FLVW-Kreises Herford beim BV 1920 Stift Quernheim in Kirchlengern. Ein Spiel, das er noch lang in Erinnerung behalten wird. „Das werde ich nie vergessen. Erstmals findet ein Krombacher Pokalfinale in Herford statt und ich darf es leiten – das ist unglaublich. Ich bin stolz, dankbar, einfach glücklich und happy“, sagte Jeroch nach der Partie.
Der Schiedsrichter, der seit 2018 im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) pfeift, ist beruflich als Gebietsverkaufsleiter bei der Krombacher Brauerei tätig und damit auch emotional eng mit dem Wettbewerb verbunden. Privat ist er verheiratet und junger Vater. Dass er nun ausgerechnet dieses Finale leiten durfte, ist für ihn etwas ganz Besonderes. Auch, weil er dafür gezielt vom Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss ausgewählt wurde. Die Begründung: konstante, solide Leistungen und hohe Zuverlässigkeit. „In dem Alter ist das meine letzte Chance gewesen“, sagte Jeroch mit einem Schmunzeln.
Vorfreude auf ein besonderes Spiel: Patrick Jeroch pfeift als Krombacher-Mitarbeiter ein Krombacher Kreispokal-Finale [Fotos: Yvonne Gottschlich].
Großen Wert legte er bei seinem Einsatz auch auf sein Team. Als Assistenten standen ihm mit Emil Menkhaus und Nico Jendrysiak zwei junge Talente zur Seite. „Das war mein Wunsch. Die beiden haben starke Spiele abgeliefert und machen ihren Weg“, betonte Jeroch. „Es kommen sehr gute junge Schiedsrichter nach. Wenn sie dranbleiben, pfeifen sie auch mal ein Finale.“ Komplettiert wurde das Gespann durch den erfahrenen Ralf Bollmann als vierten Offiziellen. „Wir haben als Team viel Ruhe ausgestrahlt, das war wichtig“, lobte Jeroch.
"Große Kulisse genossen"
Auch organisatorisch zeigte sich der Spielleiter begeistert. „Stift Quernheim war ein super Gastgeber. Sie hatten alles im Griff, es lief wirklich alles rund, eine starke Organisation.“ Mehr als 600 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Partie zwischen dem Bezirksligisten SG Frisch auf Herringhausen/Eickum und dem favorisierten IGA 2027-Landesligisten SC Herford. „Den Einlauf vor so einer Kulisse konnte ich richtig genießen“, erzählte Jeroch. Die erste Halbzeit verlief zunächst eher ruhig und ohne große Höhepunkte. Nach der Pause nahm die Intensität spürbar zu, Zweikämpfe wurden härter geführt und die Partie gewann an Dynamik.
Zwei, drei knifflige Szenen hatte das Team um Schiri Jeroch zu lösen – dies gelang aber mit Erfolg. Es gab sogar Lob vom Bürgermeister.
In der 71. Minute wurde es erstmals knifflig: Nach einem Rückpass eines Herringhauser Spielers entschied Jeroch auf indirekten Freistoß für Herford aus rund fünf Metern. Eine Szene, die für Diskussionen sorgte. „Es gab kurz Aufregung, aber ich habe das ruhig erklärt“, sagte Jeroch. Der entsprechende Spieler habe die Entscheidung letztlich akzeptiert und später im Gespräch bestätigt, dass der Ball tatsächlich so gespielt war. Der Freistoß wurde schließlich deutlich über das Tor gesetzt.
Spektakuläre Schlussphase – Schiri-Gespann mit kühlem Kopf
Als sich die Partie dem Ende näherte, schien alles auf ein Elfmeterschießen hinauszulaufen. „Es roch schon danach“, so Jeroch. Doch in der Nachspielzeit überschlugen sich die Ereignisse: In der 92. Minute konterte Herringhausen über die linke Seite, Lian Güzelel setzte sich durch und wurde im Strafraum gefoult. Jeroch zögerte nicht und zeigte sofort auf den Punkt. „Das war spielentscheidend“, erklärte er später. Max Krüger verwandelte den Strafstoß sicher unten rechts und der Jubel beim Herausforderer und seinem stimmgewaltigen und feierwütigem Anhang kannte keine Grenzen. Auch für das Schiedsrichterteam fiel in diesem Moment eine enorme Last ab. „Wir waren froh, dass der Ball drin war“, gab Jeroch zu. Herfords Torhüter habe sich beim Schuss klar von der Linie bewegt. „Hätten wir den Elfmeter wiederholen lassen müssen, wäre es womöglich noch hitziger geworden.“Einen unschönen Schlusspunkt setzte kurz nach Abpfiff eine Rote Karte gegen einen Offiziellen des SC Herford wegen Beleidigung. „In der Emotion kommt da viel, das haben wir zunächst ignoriert. Aber als er noch einmal kam und uns weiter beleidigt hat, musste ich handeln“, erklärte Jeroch.

Steht sonst auf der anderen Seite und überreicht als Krombacher Gebietsverkaufsleiter die Frischefässchen an die Unparteiischen. Vergangene Woche nahm er das Dankeschön des Pokalsponsors entgegen.
Trotz dieses Moments überwog am Ende das Positive. „Es war ein tolles Erlebnis, auch die Siegerehrung war sehr wertschätzend“, resümierte er zufrieden. Lob kam dabei auch von Kirchlengerns Bürgermeister Rüdiger Meier, der sich ausdrücklich bei den Unparteiischen für die Leitung eines fairen Spiels bedankte. Bei der Siegerehrung des Krombacher Kreispokals gab es auch für die Unparteiischen eine besondere Geste: Von Herfords Kreisvorsitzendem Markus Bierbaum erhielten die vier Unparteiischen jeweils ein Krombacher-Fass als Dankeschön. Eigentlich wäre es Jerochs Aufgabe gewesen, die Auszeichnung zu überreichen. Auf diese Rolle verzichtete er bei seiner Premiere als Unparteiischer gern und nahm stattdessen das Fass lächelnd entgegen.
Bereits einen Tag später war Jeroch beim Krombacher Pokalfinale des FLVW-Kreises Bielefeld in Häger im Einsatz – dort bei der Siegerehrung für den Wettbewerbs-Sponsor aus Kreuztal. Doch das Finale in Herford hatte für ihn eine ganz andere, persönliche Bedeutung. Ein Spiel, ein Stadion, ein Team und ein Moment, der bleibt.
[Yvonne Gottschlich]